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Nachdem vor drei Wochen Sir McAlmost, der Gründer und
Bürgermeister auf Lebenszeit von White City, auf seiner Ranch
verstorben war, wandten sich besorgte Einwohner an den Gouverneur,
weil sich gleich fünf Personen mit gewissem Einfluss um das Amt
streiten. Zum einen wäre dort Tex Welsh, der davon ausgeht,
dass er als Erbe von McAlmosts gesamten Besitzes, ebenfalls das
Amt des Bürgermeisters auf Lebenszeit geerbt hätte. Mit der
wirtschaftlichen Macht und den personellen Möglichkeiten könnte es
ihm gelingen, die Stimmen der Stadt für eine Wahl zum
Bürgermeister auf seine Seite zu ziehen. Der vom alten
McAlmost ernannte Sheriff und Friedensrichter Andrew J. Simon ist
ebenfalls scharf auf den Posten des Bürgermeisters. Da er bereits
zwei wichtige Posten in der Stadt bekleidet, gibt es genug
Stimmen, die für seine Wahl zum Bürgermeister sprechen. Die
anderen drei Kandidaten sind der Mann, der sich selbst Papst nennt
mit seinem Soreano Klan aus Italien, der mehr oder weniger die
Geschäfte und sämtliche Nachschublinien nach White City
kontrolliert, Jack "Bullseye" Williams, der Besitzer des Saloons
und aller anderen Amüsierbetriebe der Stadt mit seinen Leuten und
der zwielichtige Viehhändler und Rancher Logan, bei dem man nicht
immer so genau weiß, wo dass Vieh, das er und seine Leute gerade
durch die Stadt treiben, genau herkommt. Jetzt wurde ich mit
meinen Leuten hergeschickt, um zu verhindern, dass in der Stadt
ein Krieg zwischen den Parteien um das Amt des Bürgermeisters
kommt.
Wir sind heute Mittag in White City angekommen und haben Quartier
in einem kleinen Hotel am Südrand der Stadt bezogen. Nach dem
Mittagessen habe ich dann meine Leute aufgeteilt und losgeschickt,
um sich in der Stadt ein Bild von der Lage zu machen. Zudem hab
ich ihnen die Anweisung erteilt, unter allen Umständen zu
verhindern, dass irgendjemand zu Schaden kommt. Ich selbst bin
ebenfalls losgegangen, um mit den Leuten in der Stadt zu reden.
Als es dann langsam dunkel wurde, kamen mir Einwohner der Stadt
aus Richtung Saloon entgegengelaufen. Im nächsten Moment hörte ich
auch schon lautes Geschrei aus Richtung des Stadtplatzes. Ich
lief also los und hatte die Rückseite des Saloons noch nicht
erreicht, als ich den dumpfen Knall einer abgesägten Schrotflinte
hörte. Ich entschloss mich also, mich nicht von der Hauptstrasse
sondern durch die Baumgruppe auf der anderen Seite des Saloons zu
nähern. Ich hatte die Ecke des Saloons zum Stadtplatz noch
nicht einmal erreicht, als mich hinter einem Baum hervor jemand
angriff. Zum Glück konnte ich dem recht unbeholfenen Schlag
ausweichen. Dafür traf ich den Mann mit dem Kolben meines
Revolvers und schickte ihn zu Boden. Im Fallen rutschte seine
Jacke zur Seite und ich sehe seinen Stern. Das war also einer der
Leute des Sheriffs. Ich begab mich vorsichtig zur Ecke des
Saloons und ging hinter einem Pfosten in Deckung, um mir erst
einmal einen Überblick zu verschaffen. Was für ein Durcheinander!
Überall lagen Verletzte und Tote auf dem Platz verteilt. Unter
ihnen sah ich auch Pierce, der auf der anderen Seite des Platzes
neben drei anderen Männern lag. Zudem waren Hunnicut und Scorch in
wilde Handgemenge mit einigen Cowboys verwickelt. Rechts von
mir auf der anderen Seite vor dem Saloon entwickelte sich
plötzlich ein ziemlich unüberschaubares Handgemenge, als sich die
Mitglieder von zwei oder drei Parteien aufeinander stürzten. Ich
nutzte die Gunst des Augenblicks, um einen der Männer des
Saloonbesitzers, der etwas abseits stand, anzugreifen und mit
einem wohl gezielten Schlag meines Revolvers zu Boden zu schicken. Überall
um mich herum fielen immer wieder vereinzelte Schüsse, aber auch
ganze Salven. Als ich mich umschaute, sah ich wie Scorch in
Deckung sprintete und der Gegner von Hunnicut durch einen
eigentlich auf ihn gezielten Schuß zu Boden ging. Vor mir
sah ich dann einen der Männer des Viehhändlers in den Saloon
rennen. Von dort hätte er eine gute Schussposition auf den
gesamten Stadtplatz. Dies musste ich unbedingt verhindern, also
fing ich ihn ab, bevor er die Saloontür ganz durchquert hatte.
Wiederum hatte ich das Überraschungsmoment auf meiner Seite und
konnte meinen Gegner ohne große Probleme zu Boden schicken. Als
ich mir wiederum einen Überblick verschaffte, sah ich, wie
Hunnicut einen Cowboy und Scorch einen der Italiener zu Boden
schickte. Außerdem erblickte ich Winchester und Freedman, die
Westen her auf die gegenüber liegende Seite des Platzes rennen. Mehr
Zeit mich umzusehen hatte ich nicht, denn dieser Tex Welsh griff
mich zusammen mit einem seiner Männer an. Irgendwie schaffte ich
es noch die Oberhand zu behalten und meine Gegner zurückzustoßen.
Aber viel hat es mir nicht gebracht, denn die beiden griffen mit
zusätzlicher Verstärkung wieder an. Aus dem Augenwinkel heraus sah
ich, wie Scorch durch eine Schrotladung getroffen zu Boden ging.
Dadurch war ich abgelenkt und einer meiner Gegner schaffte es mir
seinen Revolver auf den Kopf zu schlagen. Trotzdem sich alles ein
bisschen drehte, schaffte ich es bei Bewusstsein und aufrecht zu
bleiben. Mir blieb aber keine Zeit mich zu erholen, weil ich
immer noch mit den Cowboys im Nahkampf war. Doch jetzt kamen
Winchester, Hunnicut und Freedman zu meiner Unterstützung und
lenkten zwei der vier Cowboys von mir ab. Auf der anderen Seite
des Platzes sah ich noch wie Burnes und Flagg ebenfalls zu meiner
Hilfe eilen wollten. Allerdings war Flagg ein wenig zu voreilig
hinter der Ecke hervor gerannt, denn einer der Cowboys nutzte
dessen abgelenkt sein um auf ihn zu schießen, woraufhin Flagg zu
Boden ging. Direkt neben mir schafften es Winchester und
Freedman nicht ihren Gegner zu überwältigen und wichen etwas
zurück. Dafür allerdings schaffte es Hunnicut seinen Gegner mit
dem Gewehrkolben zu treffen und bewusstlos zu schlagen. Mir
selbst machte wohl der Treffer von eben noch Probleme, so dass
meine beiden Gegner kein Problem damit hatten, mich noch einmal zu
treffen. Diesmal war ich allerdings nicht mehr stark genug, um auf
den Beinen zu bleiben. Allerdings schaffte ich es noch meinen
Leuten den Befehl zum Rückzug zu geben.
Als ich wieder zu mir gekommen war, wusste ich zunächst nicht, wo
ich war. Allerdings war ich an einen Stuhl gefesselt und schaute
in das grinsende Gesicht von Tex Welsh. Er teilte mir mit, dass
meine Freilassung schon mit meinem Stellvertreter arrangiert sei.
Kurz darauf erschien dann auch Burnes und überreichte ihnen das
Geld, dass der Gouverneur diese Woche für die Bezahlung meiner
Leute geschickt hatte. Daraufhin durfte ich gehen, allerdings
gaben sie mir meinen Revolver nicht zurück, was besonders bitter
für mich war, da mich das gute Stück bereits seit meiner Armeezeit
begleitet hatte. Zurück in unserem Hotel teilte mir Winchester
dann mit, dass Scorch seine Verwundung nicht überlebt hatte, dafür
aber Flagg und Pierce schon auf dem Weg der Besserung waren.
Scorch war an diesem Abend nicht der einzige Tote gewesen. Auch
einige der anderen Gruppen hatten Verluste zu beklagen. Außerdem
gab es fast niemanden, der nicht mit kleineren oder größeren
Blessuren davongekommen war. Ich zog mich also in mein Zimmer
zurück und dachte über die vergangenen Geschehnisse nach. Ich ließ
mir auch die Schlägerei mit den Cowboys noch einmal durch den Kopf
gehen. Noch einmal würde ich mich nicht so ablenken lassen. Als
ich am nächsten Morgen zum Frühstück nach unten ging, warteten
dort bereits ein paar Bürger der Stadt auf mich. Sie teilten mir
mit, dass sie kein Vertrauen in die Kandidaten für das
Bürgermeisteramt hätten, sie aber meine besonnene zurückhaltende
Vorgehensweise beeindruckt hätte, so dass sie mich gerne für den
Posten nominieren würden. Ich dankte ihnen für das Vertrauen und
sagte, dass ich das alles mit dem Gouverneur bereden müsste. Ich
telegrafierte also an das Büro des Gouverneurs mit der Bitte
aufgrund der besonderen Umstände für das Amt des Bürgermeisters
kandidieren zu dürfen. Außerdem forderte ich Ersatz für Scorch an.
Die Antwort kam prompt zurück mit der Erlaubnis zu kandidieren.
Allerdings stand im Moment niemand zur Verfügung, der mir zur
Verstärkung hätte geschickt werden können. Was
blieb mir also übrig, als ins Rathaus zu gehen, und mich auf die
Kandidatenliste und meine Leute auf die Wählerliste zu setzen. Danach
schickte ich meine Leute regelmäßig auf Kontrollgang durch die
Stadt, um die Ordnung zu wahren und natürlich, um Wahlkampf für
mich zu machen. Eine Woche lang blieb alles ruhig. Das war wohl
nur die Zeit, die Logans Männer gebraucht haben, um den Hinterhalt
vorzubereiten.
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